VA – A Tribute To Treasure Isle And Studio 1
Bewertung 3/5
Dienstag, 04. August 2009, 12:35 Uhr. Stichwörter: a_tribute_to_treasure_isle_and_studio_1, attack, compilation, cornell_campbell, johnny_clarke
„Attack Records“ schmeisst dieser Tage einiges auf den Markt, doch die Sache hat einen Haken: Zu Kaufen gibt es die Neuerscheinungen fast nur als Mp3- oder Flac-Dateien, CDs sucht man vergeblich. Macht ja eigentlich nichts, wenn wenigstens der Inhalt stimmt, aber auch hier ist Vorsicht angesagt, nicht alles was da glänzt ist Gold.
Die Artistliste auf „A Tribute To Treasure Isle And Studio 1“ liest sich wie ein „Who is who“ der jamaikanischen Musikgeschichte und die ausgewählten Songs passen natürlich auch wie die Faust auf's Auge. Schon der erste Tune, Cornell Campbell's “Please Be True“ - ist ein unsterblicher Klassiker aus dem Hause „Studio One“.
Und so geht es immer weiter, ein Hit reiht sich an den nächsten und das über die volle Länge von 3 CD's. „Treasure Isle“ und „Studio One“ waren die Hitschmieden der Karibik in den Sechzigern und zum Teil auch in den Siebzigern („Studio One“). Ob bei Duke Reid, dem schiesswütigen Ex-Polizisten, der auch gerne mal den zu spielenden Takt mit einer Pistolensalve vorgab, oder bei Sir Coxsone Dodd – den Übervater von der Orange Street mit seinem „Studio One“: Hier machten fast alle jamaikanischen Musiker ihre ersten semi-professionellen Schritte. Pikanterweise ist hier der wohl bekannteste karibische Musiker von allen, Mr. Bob Marley, nicht vertreten. Ich meine, wenn man schon eine Compilation zur Geschichte dieser beiden Studios auflegt, sollte doch wohl auch der bekannteste Artist dabei sein, der auf „Studio One“ seinen ersten No.1 Hit auf der Insel landen konnte. Aber Bob und sein Hit „Simmer Down“ fehlen genauso wie jegliche andere Wailers-Mitglieder oder Wailers-Tunes. Was wohl mit der pikanten Rechtslage um das musikalische Erbe von Bob Marley verbunden ist und den immer wieder damit verbunden Rechtsstreitigkeiten zwischen ehemaligen Bandmitgliedern und der Marley-Familie zu tun hat (heutige Rechteinhaberin ist seine Witwe Rita Marley).
Dafür gibt’s natürlich jede Menge andere Grössen, um die üblichen Verdächtigen mal beim Namen zu nennen: Johnny Clarke, der oben schon erwähnte Cornell Campbell natürlich (was für eine Stimme!), John Holt, Dennis Brown, Delroy Wilson und viele mehr. Womit wir aber auch schon beim springenden Punkt wären: Es stellt sich durchaus die Frage, wer braucht diese Zusammenstellung? Hier gibt es kaum neues oder gar kostbare, möglicherweise nie gehörte Versionen oder Mixes, alles ist mehr oder weniger Standardprogramm und findet sich schon auf so ungefähr Zehntausend anderen Samplern. Für den Kenner und Sammler ist dieses Album also eigentlich völlig uninteressant, für Einsteiger in die Materie hingegen sicherlich sehr empfehlenswert. Daher gibt es von mir auch nur drei von fünf möglichen Punkten.
Drei Punkte auch deshalb nur, weil „Attack Records“ schon seit längeren neue Vertriebswege geht. Die Compilation ist als Mp3 Format (320 kbps Kompression) oder verlustfreie Audiokompression im Flac-Format erhältlich. Löblich ist sicherlich, dass jetzt auch die verlustfreie Audiodatei erhältlich ist. Aber liebe Leute von „Attack Records“, wer möchte denn eine Reise durch die Geschichte von zwei Musikstudios kaufen, ohne ein ordentliches Booklet dazu? Nun gut, es wird sich zeigen ob dieses Vertriebsmodell Erfolg haben wird. So, und zum Schluss noch mal ein bisschen Musik, der grosse Johnny Clarke auf dem „Declaration Of Rights Riddim“.
| --> |
|

